„Ältere Leute“-Fahrt nach Taizé/Cluny

Taizé: Viele Jüngere waren schon dort. Für viele Ältere ist es ein Sehnsuchtsort. Ein Grund für den Amtzeller Kirchenchor, mit Heine Pilgerreisen eine Fahrt ins Burgund zu organisieren.

Eingeladen waren auch Nicht-Chormitglieder, den Geist von Taizé live zu erleben, zu erspüren, worin denn nun diese Faszination von Taizé liegt. Und so gesellten sich zu den 17 Chormitgliedern noch einmal so viele Interessierte von der näheren und weiteren Umgebung, neugierig und wohl auch ein bisschen sehnsüchtig.

Da in Taizé keine Gruppen Erwachsener aufgenommen werden, fiel die Wahl des Standorts auf ein weiteres spirituelles Kraftzentrum im Burgund: Cluny, wenige Fahrminuten von Taizé entfernt. Dort erlebten wirfranzösisches Savoir-vivre bei dreigängigen Menüs oder einem Café im Freien, beim gemütlichen Schlendern über den Markt oder beim abendlichen Umtrunk an der Bar mit choreigenem Barkeeper, aber auch Erhebendes beim mehrstimmigen Singen in Kirchen mit phänomenaler Akustik.

Nicht zu vergessen die kundige Führung durch Abtei und Stadt Cluny: 2 ½ Stunden geballte Information, vermittelt mit französischem Charme. Von der einst größten Kirche der Christenheit vor dem Bau des Petersdoms ist kaum etwas übrig geblieben. Geblieben sind Fragmente der Abteigebäude und einige sehenswerte mittelalterliche Häuser. Gar zu gern würde man hinter die Häuserzeilen in die versteckten Gärten schauen, die einst für die Ernährung der Bevölkerung innerhalb der Stadtmauern sorgten.

Und schließlich Taizé. Spannend die Anfahrt mit dem Bus durch enge Gassen auf den Hügel, rechter Hand die alte Dorfkirche, die Tag und Nacht geöffnet ist und in ihrer Schlichtheit Ruhe und Standfestigkeit ausstrahlt. Neben dem Eingang das Grab von Frère Roger.

Drei Mal am Tag findet das Gebet auf dem Hügel statt. Wenn die Glocken läuten, strömen von allen Richtungen Jugendliche und Erwachsene auf die Versöhnungskirche zu. Die Gebete dort sind das Herz von Taizé. An den Eingängen erinnern Jugendliche mit „Silence“-Schildern an das, was zählt.

Zwei Abendgebete, ein Mittagsgebet und eine Eucharistiefeier haben wir mitgefeiert: Gottesdienste mit wenigen Worten, dafür berührender Musik. Und am Samstagabend die Auferstehungsfeier mit vielen Kerzen, dem Licht, das weitergegeben wird und nach kurzer Zeit den weiten Raum erfüllt.

Lange vor Beginn suchten wir jeweils unseren Platz in der fast leeren Kirche – auf dem Boden in der Mitte, auf einer Bank oder den Stufen an der Seite. Es riecht nach Turnhalle, und betritt man die Kirche über einen der hinteren Anbauten, denkt man auch eher an eine Sportstätte – bis dann die Apsis mit ihren leuchtenden Farben, die Marien-Ikone auf der linken Seite und die Kreuz-Ikone vorne rechts die Blicke auf sich ziehen.

Faszinierend mitzuerleben, wie sich dieser riesige Raum bis aufs letzte Fleckchen füllt. Die meisten sitzen auf dem einfachen Teppichboden oder auf Meditationsschemeln. Der Platz der Brüder ist durch Grünpflanzen markiert. Ein Bruder nach dem anderen kommt fast unbemerkt herein, setzt sich in die Mitte. Einer beginnt zu singen und alle stimmen ein. Es geht Schlag auf Schlag, ohne große Erklärungen, ohne Trara. Und obwohl wir uns erst orientieren müssen, werden wir hineingezogen in den beruhigenden Fluss der steten Wiederholungen, werden wir getragen von den anderen. Ein bewegendes Gefühl, mit so vielen jungen Menschen aus vielen Nationen in verschiedenen Sprachen zu singen und zu beten, den gleichen Bibeltext in mehreren Sprachen zu hören, mehr oder weniger zu verstehen und dann plötzlich aufzuhorchen, wenn er auf Deutsch vorgetragen wird.

Drei Mal am Tag bilden sich lange Schlangen im Freien vor der überdachten Essensausgabe, perfekt organisiert von vielen jungen Leuten, alle locker und doch aufmerksam. Und auch in der Warteschlange Gemeinschaft, keine Ungeduld, kein Drängeln. Wie muss es wohl eine Woche zuvor zugegangen sein, als sich noch über 5.000 Menschen auf dem großen Platz tummelten?

Wir reihen uns ein und werden herzlich aufgenommen. „Free hugs“ gibt es an allen Ecken – auch für uns. Die Offenheit, Unbekümmertheit, der Enthusiasmus der Jugendlichen haben uns beeindruckt. Wir fühlten uns zugehörig und gleichzeitig ließ man uns „älteren Leuten“ respektvoll den Vortritt. Wie am Fließband ging es zu: Plastikteller, eine Schöpfkelle voll Graupen-Eintopf, 2 Kekse, eine Plastikschale, Apfel rein, ein Löffel – eine aufgereihte Schar von Jugendlichen füllte fröhlich die Essenstabletts. Genauso fröhlich wurde hinterher gespült und geschrubbt. Und wir suchten uns ein Plätzchen auf einer Mauer oder auf einer der zahlreichen niedrigen Bänke, die zu Essenszeiten gut belegt waren.

Worin liegt nun die Faszination von Taizé? Beeindruckt haben die Musik, die Stille, das Miteinander so vieler Nationen, die Einfachheit – alles nahe am Evangelium dran. „Jeder sollte mal dort gewesen sein“, war einer der Kommentare bei der Heimfahrt. Und: „Wenn alle Menschen auf der Welt so wären wie die Gemeinschaft in Taizé, wäre die Menschheit einen Schritt weiter.“