Bismi ʾllāhi ʾr-raḥmāni ʾr-raḥīmi“ – Im Namen des barmherzigen Gottes

AMTZELL – Ein Zeichen, dass der Islam die Menschen beschäftigt, war die große Zahl derer, die sich zum Vortragsabend über die Grundlagen des Islam im Amtzeller Haus der Gemeinde einfanden. Die katholische Kirchengemeinde St. Johannes & Mauritius hatte dazu als Referenten Peter Ederer, den ehemaligen Integrationsbeauftragten der Stadt Ravensburg, eingeladen.

Peter Ederer verstand es, die annähernd 70 Besucher anschaulich in den Islam einzuführen. Am Anfang standen Basisinformationen zu grundlegenden Begriffen und zu Zahlen über die Religionszugehörigkeit weltweit und in Deutschland. Hier wurde bereits deutlich, dass „der Islam“ kein monolithischer Block ist. Sunniten, Aleviten, Schiiten, Alawiten, Ahmadiyya etc.: Sie unterscheiden sich theologisch und politisch teilweise stark voneinander, werden hierzulande aber in vielen Fragen als geschlossene islamische Gegenwelt wahrgenommen.

Ausführlich befasste sich der Referent mit der Biografie Mohammeds und den 5 Säulen des Islam. Oberflächliches Wissen über die 5 Säulen war beim einen oder anderen wohl vorhanden, Informationen zur Praxis boten aber einiges an Neuem: so zum Beispiel das Grüßen der beiden Engel rechts und links auf den Schultern beim Gebet oder dass die Gebetszeit vom Stand der Sonne abhängt und der örtliche, aktuelle Goldpreis als Berechnungsgrundlage dafür dient, ab welchem Betrag 2,5 Prozent des Einkommens gespendet werden sollen.

Gelegentliche Vergleiche mit dem Christentum zeigten, dass so manches nicht wirklich fremd ist. Ein Zitat aus „Das Leben ist eine Karawanserei“ von Emine Sevgi Özdamar machte bewusst, wie sehr die Anrufungsformel „Bismi ʾllāhi ʾr-raḥmāni ʾr-raḥīmi“ den Alltag der Muslime prägt, erinnerte aber auch so manchen der Anwesenden daran, dass mit „in Gottes Namen“ früher auch das Tun in unserer Region unter den Schutz Gottes gestellt wurde. Auch die Kopfbedeckung der Frauen außerhalb des Hauses war Mitte des letzten Jahrhunderts noch selbstverständlich.

Bei der Vorstellung der einzelnen islamischen Glaubensrichtungen richtete Ederer ein besonderes Augenmerk auf die Glaubenspraxis der Aleviten und er verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass in Baden-Württemberg 2006 alevitischer Religionsunterricht eingeführt wurde und das Studium alevitischer Religionslehre an der PH Weingarten möglich ist.

Die Grundlagen dessen, was Muslime glauben, und die Entstehung und Verbreitung des Islam sollten an diesem Abend im Mittelpunkt stehen. Dass hauptsächlich der politische Islam die Menschen umtreibt, zeigten die Fragen, die auf den Vortrag folgten. Sie spiegelten hauptsächlich das wider, was die Schlagzeilen beherrscht: Scharia, Kleiderordnung, Auslegungen des Koran, Imame. Alles in allem war es ein informativer Abend mit ausreichend offenen Fragen für eine Fortsetzung.