Singen zu Corona-Zeiten

AMTZELL – Nach den Ausgangsbeschränkungen Mitte März lud die evangelische Kirche deutschlandweit zum abendlichen Singen auf dem Balkon und im Garten ein. In Amtzell wurde diese Idee auch auf katholischer Seite dankbar aufgegriffen.

„Der Mond ist aufgegangen“: jeden Abend um 19 Uhr, gesungen in Gärten, am offenen Fenster, auf dem Balkon oder auf der Straße. Mitte März war es um diese Zeit schon dunkel und kalt und die goldnen Sternlein prangten am Himmel. Bei Wind und Kälte war es anfangs manchmal wohl ein Aufraffen, vor die Tür zu gehen und das Lied anzustimmen. Das Ehepaar Dettling ließ sich davon nicht abschrecken und initiierte die erste mehr oder weniger feste Singgruppe im Säntisweg. Vor allem die Kinder waren von Anfang an mit Eifer dabei. Als dann die Schwäbische Zeitung von diesem abendlichen Event berichtete, ergriff mit Inge Schmitz eine weitere Sängerin des Kirchenchors die Initiative und motivierte die Nachbarschaft in Guttenbrunnstraße und Greutstraße zum abendlichen Singen.

Mittlerweile stimmen an jedem Abend an beiden Standorten jeweils bis zu 20 Personen in das Lied ein. Es werden alle 7 Strophen gesungen. In der Guttenbrunnstraße geht’s anschließend mit anderen Liedern weiter bis zum Läuten der Glocken um 19.30 Uhr. Alle Sänger und Sängerinnen fühlen sich hinterher froh gestimmt und über den Abstand hinweg miteinander verbunden. Der alte Text von Matthias Claudius aus dem 18. Jahrhundert kann gerade auch heute bewegen und trösten.