Im 11. Jahrhundert kam die heutige Heilig-Blut-Reliquie durch eine Schenkung aus Italien ins Kloster Weingarten und wird dort in der Basilika  verehrt. Zu Ehren dieser Reliquie findet jährlich im Mai oder Juni seit Jahrhunderten eine Reiterprozession, der Blutritt, statt. In der Regel nehmen über 3.000 Reiter aus ganz Oberschwaben daran teil.

Auch in Amtzell hat die Verehrung dieser Reliquie eine lange Tradition, die heute durch die Blutreitergruppen der Pfarreien Amtzell und Pfärrich bewahrt wird. Bereits in der Prozessionsordnung der Jahre 1778–1781 wird eine Dragoner-Gruppe der Amtzeller Herrschaft Reichlin-Meldegg erwähnt.

Im schwäbischen Merkur vom 1. Juni 1846 wird erwähnt, dass die Musikkapelle Amtzell am Blutritt teilnahm.

<h2>Gründung Blutreitergruppe Amtzell im Jahr 1911</h2>

Amtzell, 1. Mai: Am letzten Sonntag fand hier eine gut besuchte Versammlung statt zur Organisation der Teilnahme am Blutritt in Weingarten. Herr Stadtpfarrer Pfaff und Herr Stadtschultheiß Reich von dort klärten die Anwesenden auf über die Geschichte der Heiligblutreliquie und der Prozession und forderten in begeisternden Worten zur Teilnahme an dieser religiösen Feier auf. Ihre Worte fielen auf fruchtbaren Boden, eine stattliche Anzahl meldete sich sofort zur Beteiligung an. Eine weitere Besprechung findet nächsten Sonntag nach dem Hauptgottesdienst im Adler statt.

Diese erste Versammlung war die Geburtsstunde der Blutreitergruppe für die Pfarrei Amtzell.

Gründer der Blutreitergruppe Amtzell:

H. H. Pfarrer Anton Villinger, Josef Kiebele (Haselmühle), Xaver Kränkel (Kehlings), Baptist Ochsenreiter (Beikers), Johann Roth (Mittelwies), Matthias Kathan (Oberhelbler), Xaver Feuerstein (Unterhelbler), Josef Feuerstein (Danner), Alois Mayer (Degel), Franz Wucher (Luppenmühle), Josef Wagner (Hinterberg), Georg Geiger (Pfauen), Franz Pfau (Amtzell), Gebhard Müller (Steppach), David Dillmann (Hackbrettler), Josef Bautz (Duller), Benedikt Sigg (Maierhof), Wilhelm Rundel (Niemandsfreund), Martin Moosmann (Schattbuch)

Amtzell hat am 26. Mai 1911 erstmals als Gruppe der Pfarrei Amtzell am Blutritt in Weingarten teilgenommen. Neu war, dass sich die Teilnehmer nicht mehr in der Reihenfolge ihres Eintreffens dem Blutritt anschlossen, sondern sich als Pfarrei-Gruppen zusammenfügten und dass sie sich in einheitlicher schwarzer Kleidung, Frack und Zylinder am Blutritt beteiligten. Aus dem Programm des Blutritts am 26. Mai 1911 geht hervor, dass Amtzell als 29. Gruppe von insgesamt 48 Gruppen aufgeführt war.

Musikbegleitung

Seit Jahren wird die Blutreitergruppe zusammen mit dem jeweiligen Ortsgeistlichen und den Ministranten bei der Prozession von der Musikkapelle Amtzell und seit 1924 zusätzlich vom Spielmannszug Amtzell durch die Stadt Weingarten begleitet. Beide Musikzüge in ihren historischen Uniformen bilden nicht nur einen imposanten Anblick, sondern sind auch ein musikalisches Erlebnis.

Der Blutfreitag in Weingarten ist für die gesamte Gruppe immer ein hoher Feiertag im Reigen der Amtzeller Feste. Seit Jahren reiten auch Gastreiter aus nah und fern mit und verstärken die Gruppe.

Ausstattung

Zu Anfang wurden die Standarten der Justinigrenadiere am Blutritt verwendet. Eine Gruppenfahne existiert noch mit der Aufschrift Pfarrei Amtzell 1911 auf der Frontseite und auf der Rückseite die Abbildung der Heiligblutreliquie. Dazu wurden zwei weitere Standarten mitgeführt, eine mit dem Hl. Johannes Ev., des Amtzeller Kirchenpatrons, und eine mit dem Hl. Josef. Auf der jeweiligen Rückseite befindet sich eine aufgestickte Heiligblutreliquie.

1987 hat die Blutreitergruppe zwei weitere Standarten angeschafft. Diese zeigen den Hl. Georg und den Hl. Wendelin, auf der Rückseite ebenfalls die Heiligblutreliquie.

Bis 2004 benutzte die Blutreitergruppe Amtzell blaue Schabracken mit weißer Borte und weißem A, spätere teilweise mit Gemeindewappen. Passend dazu trug man blau-weiße Schärpen. Nachdem die Schabracken uneinheitlich, in Privatbesitz und teilweise nicht mehr schön waren, hat die Blutreitergruppe 2005 neue Schabracken angeschafft. Da historisch nicht nachvollziehbar war, wie das Rot und Grün der Reichlin'schen Dragoner wirklich aussah, hat man sich entschieden, die Farben aus dem Wappen der Gemeinde Amtzell zu übernehmen. So hat die Blutreitergruppe heute eine schwarze Schmuckschabracke mit einer umlaufenden Borte in Rot und Silber sowie beidseitig das Gemeindewappen von Amtzell. Passend dazu wurden einheitliche Schärpen in Rot und Silber angeschafft.