Die Pfarrkirche St. Johannes & Mauritius

Einst Pate gestanden hat dem Ort Amtzell wahrscheinlich die um 830 am Eggenbach gegründete Einsiedelei eines Sanktgaller Mönchs. Die Pfarrei wird zwar erst 1236 erstmals erwähnt, vermutlich wurde das erste Bethaus aber von einem Sanktgaller Mönch Mitte/Ende des 9. Jahrhunderts errichtet. Der erste Steinbau entstand wohl vor der Jahrtausendwende.

Die heutige Pfarrkirche vereint romanische, gotische, barocke und moderne Elemente. Die Grundmauern des Turms sind vermutlich romanischen Ursprungs. Auch der Taufstein ist aus dieser Zeit. Der Spätgotik zuzurechnen sind der Turmaufbau (14. Jahrhundert), das Langhaus-Mauerwerk und die Schiffssäulen (um 1473).

Der Periode des Barock entstammen die Vorhalle (um 1680), das südseitige Vorzeichen (1693) und der Altarraum (1758) mit einem Deckenfresko von Linus Seif (Kempten). Die Barockisierung erfolgte unter den Patronatsherren von Reichlin-Meldegg, denen auch die Reliquien des Justinus zu verdanken sind. Manche Kunstwerke wie Taufstein, Grabdenkmäler, Skulpturen und Gemälde sind bis heute erhalten geblieben.

Im Zuge der Erneuerung des Innenraums wurde der spätromanische Taufstein (um 1250) restauriert. Am Holzdeckel und im Bodenfries von Annelie Kremer (München) wiederholen sich die Zweig- und Blattornamente des sechseckigen Sandsteinbeckens. Die Barockfigur Johannes d. T. (um 1720) hat seither ihren Platz beim Taufbecken.

Bei der letzten Renovierung 1999 unter Pfarrer Josef Mattes wurde der Altar vom Kölner Bildhauer Elmar Hillebrand neu gestaltet. Der Altar ist umrahmt von Bodenintarsien (von Clemens Hillebrand), die die vier Paradiesesflüsse veranschaulichen und die daraus hervorströmenden Evangelien nach Johannes (Adler), Matthäus (Mensch), Lukas (Stier) und Markus (Löwe).

Von Elmar Hillebrand stammt auch das Bodenmosaik unter dem neugotischen Wandtabernakel von Hans Hummel (1953). Abgebildet ist der Prophet Elias unter einem Ginsterstrauch. Die Hand des Engels weist auf Brot und Wasser (1 Kön 19,4–7).

Sehenswert ist eine spätgotische Marientodgruppe (um 1480) im linken Seitenschiff. In gebranntem, farbig gefasstem Ton wird die sterbende Maria inmitten der Jünger dargestellt. Petrus betet aus einem Buch, Johannes reicht ihr den Kelch, zwei weitere Jünger halten Kerzen.

Über der Marientodgruppe steht eine Immaculata (um 1750) auf einer Mondsichel. Auf beiden Seiten sind Prozessionsschilde der Amtzeller Skapulier-Bruderschaft angebracht. Auf diesen Tafeln sind Gebetsrufe aus der Lauretanischen Litanei dargestellt.

Die Orgel

Die neue Orgel wurde von Orgelbaumeister Martin Gegenbauer aus Leutkirch gebaut. Geweiht wurde sie am 19. Januar 1992 von Dekan Albert Wiedenmann.

Die Ausführung des Instruments ist an altbewährte Orgelbautradition angelehnt. Das Gehäuse (7 m breit, 3,60 m hoch, 1,50 m tief) ist aus massivem Kiefernholz in barockem Stil. Das Klangspektrum des Instruments lehnt sich an die süddeutsche/französische Tradition an. Das wird mit insgesamt 1721 Pfeifen erreicht. Das Hauptwerk mit 10 Registern ist klassisch ausgelegt. Mit Bourdon, Prinzipalen, Grande Cornet, Trompete und einem Flötenchor bietet es einen mächtigen und klaren Orgelklang und auch solistische Möglichkeiten. Das Schwellwerk ist mit 11 Registern bestückt. Dies gestattet individuelles Musizieren besonders bei Chor- und Orchesterbegleitung. Im Pedal sind 5 Register. Mehr haben die Platzverhältnisse nicht zugelassen.

Justinus

Justinus wird in Amtzell seit 1750 verehrt. Der Schrein für seine Reliquien wurde 1971 von Hermann Stadelmaier gestaltet. Am Justini-Fest (Pfingstmontag) werden die Reliquien in feierlicher Prozession, begleitet von Spielmannszug, Justini-Grenadieren, Bürgerwehr und Musikkapelle, durch die Gemeinde getragen.

Justinus, einer der ersten großen Theologen, stammte aus einer heidnisch-römischen Familie. In seiner Jugend studierte er Philosophie und wurde schließlich von einem alten Mann bei einem Spaziergang am Strand auf die Botschaft Christi aufmerksam. Nach seiner Bekehrung wurde er Prediger und Missionar. Nach Jahren der Wanderschaft wurde er in Rom sesshaft und gründete eine Schule. Er verfasste die ersten Aufzeichnungen römischer Liturgie, protestierte gegen die Christenverfolgungen. Zusammen mit sechs seiner Schüler wurde er daraufhin verhaftet und eingesperrt. Als er sich weigerte, heidnischen Göttern zu opfern, wurde er unter Kaiser Mark Aurel (zwischen 163 und 167) enthauptet.

Die Kirchenpatrone

St. Johannes

Johannes war der Sohn des Zebedäus und der Salome, Bruder von Jakobus dem Älteren, von Beruf Fischer. Die Überlieferung setzt den Jünger Johannes gleich mit dem Evangelisten Johannes, der wohl in Ephesus wirkte, wo im Kreise seiner Schüler das Johannesevangelium und die drei Johannesbriefe entstanden. Die Forschung setzt Johannes, den Verfasser des Evangeliums, und Johannes, den Verfasser der Apokalypse, nicht mit dem Jünger gleich. Wegen seiner „hohen Theologie“ wird er mit einem Adler dargestellt.

Die Figur, mit Buch, Federkiel und Adler, wurde 1771 vom Langenargener Bildhauer Johannes Thurner geschaffen, wie auch die Statuen der Jünger an der südlichen und nördlichen Schiffswand.

St. Mauritius

Mauritius (* bei Theben in Ägypten, gest. um 290 in Agaunum im Wallis) war der Legende nach der Anführer der Thebäischen Legion und wird seit dem 4.Jh. als Heiliger verehrt. Seine Legion war zur Zeit der römischen Kaiser Diokletian und Maximian aus vorwiegend christlichen Männern ausgehoben worden, um gegen die Christen zu ziehen. Bei der Überquerung der Alpen meuterten die 6.600 Mann, da sie nicht gegen die Christen kämpfen wollten. Maximian gab den Befehl, die Legion zu dezimieren, d. h., jeden zehnten Mann hinzurichten. Auch wiederholte Dezimierungen brachen nicht den Widerstand der Männer. Deshalb befahl der Kaiser die völlige Vernichtung der Legion. Ohne Gegenwehr ließen sich die Offiziere und die Mannschaften als Märtyrer für ihre Religion hinrichten.

Mauritius wird dargestellt in Soldatentracht oder in Ritterrüstung, meist von dunkler Hautfarbe, mit Lanze, Schwert und Schild. Er ist Patron der Soldaten, Waffen- und Messerschmiede, Kaufleute, Färber, Hutmacher, Tuchweber, Wäscher, Glasmaler, Weinstöcke.

Die Verehrung von Mauritius wurde auf Veranlassung von Kaiser Otto I. im Jahre 962 von Papst Johannes XII. bestätigt.

Sein Gedenktag ist der 22. September.

In Amtzell wird das Mauritius-Fest am vierten Sonntag im September gefeiert.