Pfarrkirche St. Clemens

Die Gemeinde Primisweiler (Ursprünglicher Name „Brunigeswillare“) mit ihrer Pfarrei ist sehr alt. Man setzt ihre Gründung in die ersten Zeiten des Christentums. Teile der Pfarrkirche St. Clemens sind mittelalterlichen Ursprungs. 1092 gelangte die Kirche mit einem sanktgallischen Maierhof an die Bodenseeabtei Mehrau bei Bregenz.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche zerstört und zwischen 1600 und 1652 wieder aufgebaut. Ein Teil der Grundmauern ist noch mittelalterlichen Ursprungs. Chorraum und Langhaus entstanden in der Zeit des Wiederaufbaus bis 1652. Daran erinnern mehrere Skulpturen wie das große Chorkreuz und die Nebenaltar-Madonna.

Durch einen Vergleich kommt die Kirchengemeinde St. Clemens 1722 an das Hochstift Konstanz.

Im Jahre 1831 verlängerter man das Gotteshaus „mit Hülfe milder Beiträge aus der Pfarrgemeinde“.

Dem frühbarocken Chorkreuz (um 1600) gegenüber verdienen Schmerzensmutter (um 1700) und die Prozessions-Madonna (um1730) ein Augenmerk. Ebenso  das Rosenkranzgemälde und das Patronatsbild im Hochaltar (1684) und dessen Johannes d. T. und St. Josef (um 1730). Dazu kommen an den Schiffswänden ein Auferstandener (um 1730), ein Papst Clemens (um 1775) und ein Guter Hirte (um 1700) auf der Kanzlei.

Das Assumpta-Gemälde (1856) über dem Seiteneingang stammt von M. Jakob. Die Kreuzwegstationen sind um 1750 entstanden.

St. Clemens im Schifflein Petri von Sieger Köder

Sieger Köder, der am 9. Februar 2015 verstorben ist, zeigt in seinem letzten großen Kirchengemälde unverwüstliche Hoffnung auf eine gelingende Überfahrt.

Im Mittelpunkt der wie immer bei Köder in leuchtenden Farben gestalteten Komposition greift der Kirchenpatron Clemens fest an den Mast. Wer nicht so genau hinschaut, könnte denken, er habe ein Ruder in der Hand. In Wirklichkeit sucht er Halt, weil er sich über den Bootsrand beugt, um einen Blick auf die trotz heftigem Wellengang erkennbaren Bauten darunter zu werfen: Rom mit dem Petersdom, die Kirche von Primisweiler, eine in der Nachbarschaft gelegene Kapelle darunter – die Katakomben: Symbole dafür, dass sich christliche Überlieferungen auch in Bauwerken ausdrückt.

Die Tradition der Kirche mit ihren Grundsäulen Zeugnis, Liturgie und Nächstenliebe ist auch in Personen verkörpert, die sich gemeinsam mit Clemens auf großer Fahrt befinden. Im Bug des Bootes halten Petrus und seine beiden unmittelbaren Nachfolger Linus und Kletus Ausschau nach Leuchtfeuern für den richtigen Kurs. Segnend wendet sich der von Köder besonders verehrte Papst Johannes XXIII, der sich unter ihm ausbreitenden Welt zu, daneben versinnbildlichen die Slawenapostel Kyrill und Method die Verbindung zur Ostkirche: Verkündiger und Zeugnisgeber allesamt.

Im Bootsheck kümmert sich Mutter Teresa um die ärmsten Passagiere: Ihre Zuneigung zu den Notleidenden ist unvergessen. Halb verborgen hält sich noch eine Gestalt im Hintergrund: Köders verstorbener Mitbruder Dr. Otto Beck, mit dem er die Leidenschaft für die Kunst teilte. Obwohl Köder er vielleicht beim Entwurf seines Deckelgemäldes nicht ahnen konnte: Sein Darstellung der Kirche als einer Gemeinschaft, die auf dem Weg ist und sich auch von Turbulenzen nicht schrecken lässt, ist hochaktuell. Seine Botschaft: Stürme wird es immer wieder geben, aber mit Gottes Hilfe und einer tapferen Mannschaft an Bord geht es unbeirrt dem Ziel entgegen.

Quelle: Thomas Moritz Müller, Unbeirrt auch in rauer See, in: Katholisches Sonntagsblatt 25/2010, S. 36