Chronik der Pfarrei Roggenzell

Um 1100|"Ruoccocella" taucht urkundlich als Filiale von Sigmarszell auf.

1225|Der Burg Neuravensburg wird der altsanktgallische Maierhof Roggenzell angegliedert, zu dem folgende Orte gehörten: Ried, Hub, Moos, Reute, Unterdabetsweiler, Grub, Mindbuch, Kiesgrub, Degetsweiler, Gunzenweiler, Stadelmannsweiler, Regnitz, Hüttenweiler und Bettensweiler.

1260|Die Herrschaft Neuravensburg kommt in den Besitz des Reichsklosters St. Gallen.

1480|Die Filialkirche Roggenzell wird von Sigmarszell getrennt und eigene Pfarrei.

1657|Anschaffung einer neuen Glocke für Roggenzell, mit 6 Zentner 19 Pfund für 79 Gulden unter Pfarrer Berlinger.

1731|Einführung des "Hl. Grabopfers" an den Kartagen.

1737|Umguss der "großen Glocke" in Lindau mit Weihe in Mehrerau.

1741/1742|Neubau des Mesnerhauses mit Ökonomiegebäude.

1746|Einbruch in die Kirche durch das Kanzelfenster. Es wurde der Sebastiansopferstock ausgeraubt, sowie Kanzel- und Altartücher gestohlen.

1751|Am St. Magnusfest kommen die Sigmarszeller erstmals nach Roggenzell.

1760|Für die Agathakerze wird das 4. Kirchenopfer eingeführt.

1770|Fürstabt Beda Angehrn gründet in Roggenzell und in Schwarzenbach die ersten Schulen. Er bewilligt, auf Kosten der Pfarrgemeinde, im Mesnerhaus ein Schulzimmer einzubauen.

1778|Anschaffung der ersten Orgel für 160 Gulden. "Sie wird danach gewesen sein", schreibt der Chronist.

1788|Gründung eines "Armen-Instituts" auf Impuls von Gerichtsmann Anton Dempfle mit dessen Vermächtnis von 300 Gulden.

1790|Einrichtung einer Armenkasse mit der Anordnung "vom Amt jährlich 40 Gulden für dieses Armeninstitut abzugeben".
Ende 18. Jhdt|Vereinödung: Verteilen herrschaftlichen Landbesitzes an Bauernfamilien.

1814|Die Filialen Mindbuch, Grub und Föhlschmitten werden nach Schwarzenbach umgepfarrt, bleiben aber nach Roggenzell zinspflichtig.

1814|Gründliche Renovation der Orgel durch Orgelmachermeister und Oberlehrer Franz Anton Hofer aus Stiefenhofen.

1816|Der Exkapitular des aufgehobenen Klosters St. Gallen stiftet der Kirche Roggenzell einen Hochaltar mit 1000 Gulden.

1818|Kirchturm Erhöhung um 1,5 mtr. statt des Satteldaches eine Kuppel "mit kupfernen, vergoldeten Knopf, Kreuz und Gockeler" mit umfassender Ausbesserung, "weil der Kirchturm so ruinös war, dass die größten Steine sich von ihm ablösten und herunter fielen."

1828|Roggenzell kommt zum Dekanat Wangen und damit zur Diözese Rottenburg.

1833|Feierlicher Einzug in das neuerbaute Schulhaus am Sonntag, 17. November.

1840|Vergrößerung der Kirche mit Steinen von der Neuravensburg.

1852|"Samstags Morgens 6 Uhr, den 8. Mai dieses Jahres wurde die hiesige Pfarrkirche eingeweiht und in ihr zugleich die hl. Firmung erteilt."

1858|Am 11. Juli begann eine achttägige Mission durch die Patres von Zeil, Link und Leiprecht.

1866|Ablösung der Kirche samt Turm und Kirchhofmauer für 3313 Gulden 23 Kreuzer von Wangen. Die Unterhaltung trägt künftig die Pfarrgemeinde selbst.

1868|Erneuerung der Rosenkranzbruderschaft am 1. Oktober - Rosenkranz-Sonntag -.

1869|Ein neuer Hochaltar wird aufgestellt. Er ist von Bildhauer Metz in Gebrazhofen geschaffen worden. Das Mittelbild "Christus am Kreuz" war seit 1854 vorhanden und stammte von Maler Speth, Dietenheim.

1880|"Am 10 Oktober dieses Jahres wurde das 400jährige Jubiläum der Errichtung hiesiger Pfarrei mit großer Festlichkeit begangen."

1881|Tod von Pfarrer Zeller am 25. Juli "Großer Schrecken, große Trauer."

1885|Am 30. Juni Ausspendung der hl. Firmung durch den Hochw. Herrn Bischof Hefele an unsere Firmlinge in Wangen. Zugleich konsekrierte Hochderselbe die drei altaris portabilia für unsere Kirche - aus Marmor gefertigt."

1886|Verpflanzung der Friedenslinde an den gegenwärtigen Platz bei der Lehrers Wohnung unter entsprechender Feierlichkeit mit Versenkung einer von Pfarrer Strauß verfertigten Urkunde, einer politischen Rede von demselben, unter Gesang und Musik und unter dem Donner der Geschütze mit einem brillianten Feuerwerk in Anwesenheit der gesamten Schuljugend, im Beisein der beiden bürgerlichen Collegien und einer zahlreichen Bürgerschaft.

1887|Pfarrvisitation

1887|Im März wurde der von der Familie Bingger in Moos gestiftete und von J.B. Bingger gefertigte Josefsaltar in der Kirche aufgestellt, dies ist der Beginn der Ära Bingger.

1888|Am 23 Juli Primiz von Neupriester Fidelis Friker von Bettensweiler "unter ungeheuremZudrang des Volkes von nah und fern."

1889|Einbau einer neuen Orgel. / Erstmalige Wahl des gesetzlich vorgeschriebenen Kirchenstiftungsrates mit vier Mitgliedern.

1890|"Aufstellung eines neuen Krippeleins"

1891|An der Beerdigung von Hochw. Hr. Pfr. Joseph A. Strauss haben 14 Geistliche teilgenommen./ Am 6. September fand auf dem Schlossberg in Neuravensburg die Weihe der Lourdesgrotte statt. Die Grotte wurde von J.B. Bingger geschaffen und von Fam. Roth, "Weisses Kreuz" gestiftet./ 15. September Investitur von Pfr. Leonhard Lupberger. Großartiges Festgepränge.

1892|Vom 8.-15. Mai fand eine Mission statt durch drei Kapuzinerpatres aus Bregenz. Sie war von Fam. Bingger angeregt und gestiftet worden. Die Kirche war besonders herrlich mit einer Kerzenkonstruktion mit 160 Kerzen (von Bingger) geziert, Gottesdienste und Predigten umrahmte Kirchenchor und Musikkapelle. Sieben Beichtstühle mit Aushilfe der Nachbarpfarrer hatten Massenandrang. An die 1200 Kommunionen wurden ausgeteilt.

1893|6. August Primiz des Neupriesters Josef Böckeler unter Assistenz von 10 Geistlichen, mit großem Andrang.

1894|Pfarrvisitation

1895|Missionserneuerung durch Patres aus Bregenz./ Primiz des jüngsten Bruders von Pfr. Lupberger zusammen mit vier Brüdern, die alle Priester sind. Selten große Teilnahme an Geistlichen und Gästen. Große Feierlichkeit in Kirche und Öffentlichkeit mit Musik, Gesang und Reden.

1896/97|Die neuen Kreuzwegstationen stammen aus dem Atelier Lessing und Ranzinger in München und sind Kopien nach Overbeck, Kosten: 707 Mark. Feierliche Einweihung durch Pater Bruno Zwick aus Bregenz.

1897|Am 14. April erstmaliges Aufstellen des neuen Heiligen Grabes in der Karwoche, hergestellt von Bingger.

1900|Eine Aufstellung der Bevölkerungsbewegung von 1800 bis 1900 berichtet: Eheschließungen 313; Taufen 1667, davon 840 männlich, 827 weiblich, unehelich 126. Sterbefälle: 1373, davon 746 Erwachsene, dabei 115 Jünglinge, 90 Jungfrauen, 15 Schüler, 627 Kinder.

1901|Aufstellung einer neuen Krippe.

1902|Privater Besuch von Bischof Paul Wilhelm von Keppler in Roggenzell.

1903|Neue Turmbedachung mit Blechverkeidung durch Flaschnermeister Wiedemann, Reutin, nach eingerüsten durch Zimmermeister Mathias Rothenhäusler.

1904|"Durch den Verkauf der Adlerwirtschaft kommt eine protestantische Familie hierher, die des Käsers Alfred Schlupp. Die Käserei gehörte dem früheren Adlerwirt Fricker." Dieser Zuzug kam damals einem Einbruch in eine bis dahin geschlossene katholische Gemeinde gleich.

1905|"Vom 9. bis 16. Juli war hier eine Mission, gestiftet von Josefa Bingger und ihrer Schwester Creszentia, abgehalten durch die Hochw. Redemptoristen-Patres Josef Gögele, Georg Willi und Julius Hattwich aus dem Kloster haselstauden bei Dornbirn." An die 1200 Beichtende und über 900 Kommunionen, zahlreich, gut und gern besuchte Predigten künden vom Erfolg der geistlichen Aufrichtung. / Am 1. Oktober wurde die Trennung des Mesnerdienstes vom Schuldienst vorgenommen. Als Mesner wurde Liberat Müller von Roggenzell im Dienst verpflichtet. / Aus dem "Protokollbuch des Kirchenstiftungsrates von Roggenzell", verhandelt 5. Dez. 1905: "Der Veteranenverein Neuravensburg, bestehend aus Veteranen vom Jahrgang 1866, 1870 und 1871, will für sich und für alle,die dem Verein angehört haben, einen Jahrtag stiften und hat der Vorstand desselben, Friedrich Roth von Neuravensburg dem Vorstand des Kirchenstiftungsrates von Roggenzell, Pfarrer Lupberger, 150 Mark - einhundertfünfzig Mark - Stiftungskapital zur Kirchenpflege überreicht. Der Jahrtag wird auf 100 Jahre gestiftet und soll derselbe bestehen in einer stillen Messe mit Nebengebeten ad tumba, welche womöglich, jedes Jahr am 2. Dezember gelesen und sonntags zuvor von der Kanzel verkündet werden soll. Mit den Nebengebeten ist auch das übliche Geläute zu verbinden. Der Jahrtag ist erstmals 2. Dezember 1906 abzuhalten und letztmals 2. Dezember 2006, worauf das Stiftungskapital ohne weitere Lasten und Pflichten der Kirchenpflege verbleibt. Aus dem Zinsertrage soll erhalten: 1. der Geistliche 1 Mark 50, 2. der Mesner 40 Pfg., 3. der Ministrant 20 Pfg., zusammen 2 Mark 10 Pfg. Der Zinsenrest fällt der Kirchenpflege zu. Der Kirchenstiftungsrat beschließt, diese Stiftung, da sie mit der neuen Regulation für Jahrtagsstiftungen übereinstimmt, mit den genannten Bestimmungen und Auslagen für die Kirchenpflege Roggenzell anzunehmen und derselben höheren Genehmigung einzuholen. Der Kirchenstiftungsrat: Pfarrer Lupberger, Schultheiß Sohler, Kirchenpfleger Leib, Kegel, Mennel, Renz. / Eine Jahrtagsstiftung mit 175 Mark zu gleichen Bedingungen und Wortlaut hat die "Musikgesellschaft Roggenzell" im Jahre 1910 errichtet.

1906|Vom 16.-21. März Missionserneuerung. / Beitritt des Kirchenchores zum "Cäcilienverein der Diözese Rottenburg" mit 1 Mark Jahresbeitrag.

1907|Am 22. September Baubeginn des neuen Schulhauses.

1908|"Am 29. Okt. war die Einweihung des neuen Schulhauses allhier...Festessen in der "Traube" mit Feier...Es herrschte die gemütlichste Festesstimmung, wozu auch der trefflichste Männergesang unter der Direction des Lehrers Hohl von hier und die exacten Vorträge der Roggenzeller Musikkapelle das ihrige beitrugen, doch auf einmal nahm die Festesfeier ein jähes Ende, plötzlich hieß es:"Zeppelin ist in nächster Nähe", da stürzte alles aus dem Festlokal, um das Luftschiff zu sehen und so erhielt das Fest einen würdigen und unvergesslichen Abschluss."

1909|"Am 1. August starb Pfarrer Leonhard Lupberger nach nur 3tägiger Krankheit vormittags 11 Uhr, allgemein betrauert, beweint von der ganzen Pfarrgemeinde. R.I.P."

1910|Einrichtung des elektrischen Lichtes in der Pfarrkirche.

1910|Am Blutfreitag in Weingarten beteiligt sich erstmals die Pfarrei Roggenzell mit 17 Reitern.

1911|Wiederholte Betstunden in der Kirche wegen der großen Trockenheit.

1914/18|I. Weltkrieg: "Für das Vaterland starben 12 Pfarrangehörige den Heldentod, 3 sind noch vermisst." Es mussten 2 Glocken abgeliefert werden, die aber wieder heimkehrten.

1917|Der langjährige Kirchenpfleger, Josef Leib von Neuravensburg, feierte sein 50jähriges Jubiläum als Sänger. "Er hat seine herrliche Stimme in den Dienst Gottes als 1. Tenor des Kirchenchores gestellt."

18.-25. Mai 1919|Hl. Mission unter Pfarrer Braig, abgehalten von Patres aus Günzburg.

1919|Die beiden abgelieferten Glocken konnten für 3436 Mark zurückgekauft weden.

1920|Die Geschwister Sutter übergeben 100 Mark vom Erlös der von ihnen ererbten "Gesellenglocke", die im Krieg gegen Bezahlung abgeliefert werden musste.

1921|Gründung des "Krankenpflegevereins Neuravensburg" mit Schwesternstation im Hause Schultheiß Sohler.

1922|Auf Landjäger Scharff wird ein Sprengstoffattentat verübt. Verhaftung der Täter bei einer gerade stattfindenden Beerdigung.

1923|Wegen Unstimmigkeiten Trennung vom Gesamtkrankenpflegeverein und Gründung eines eigenen "Krankenpflegevereins Roggenzell" mit Stationierung von zwei Barmherzigen Schwestern vom Kloster Reute. Vermietung der früheren Wohnung des Lehrers im Mesnerhaus als Schwesternstation an den Krankenpflegeverein. Durch die Übernahme der Krankenpflege, Abhaltung von Nähkursen für die weibliche Jugend, Inszenierung von Theatern und kulturellen Veranstaltungen, Versorgung der Kirchenwäsche und Schmücken der Kirche verdankt die Pfarrei den Schwestern eine segensreiche und wertvolle Tätigkeit.

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