St. Felix und Regula

Abbildung oben links: Die Hl. Felix und Regula (zusammen mit ihrem Diener und dem dritten Stadtpatron Zürichs, Exuperantius) auf einem Stadtsiegel Zürichs, um 1347. Hier dem Topoi des enthaupteten Märtyrers gemäß die Köpfe in Händen haltend ...

Abbildung rechts... oder mit intakten Köpfen und Märtyrer-Insignien (Palmzweige, Schwert): So stehen die beiden in der Schwarzenbacher Kirche über dem Seiteneingang zur Sakristei.


In Deutschland sind sie weitgehend unbekannt, aber in der Schweiz – besonders in Zürich – werden sie umso mehr verehrt: Die Geschichte der Heiligen Felix und Regula, der Schutzpatrone Schwarzenbachs, zeigt einmal mehr die enge Verbundenheit unserer Region mit der Schweiz.

Es hat schon etwas Eigenartiges mit einigen Heiligen unserer Seelsorgeeinheit. Bereits mit dem Hl. Gallus (Schutzpatron Roggenzells) und dem Hl. Mauritius (Amtzell) sind Patrone der Nachbargemeinden der Legende nach miteinander verbunden. Auch die beiden Schwarzenbacher Heili­gen, die Geschwister Felix und Regula, stehen der Legende nach in engem Zusam­menhang zum Hl. Mauritius.

Legendenbildung

So sollen sie unter seinem Kommando Mitglieder der so genannten Thebäischen Legion gewesen sein. Zusammen mit ihrem Diener Exuperantius sollen sie um 302/303 n. Chr. – während der diokletianischen Christenverfolgung – den Märtyrertod erlitten ha­ben. Da sie sich weigerten, den römischen Göttern Merkur und Jupiter zu opfern, wurden sie enthaup­tet.

Erste, lateinische Aufzeichnungen dieser Legende finden sich in der Stiftsbibliothek St. Gallen und rei­chen in die zweite Hälfte des 8. Jahrhunderts zurück. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden viele weitere Nacherzählungen, fast alle im Gebiet um Zürich. Eine der ausführlichsten und bekanntesten stammt vom Zürcher Schriftsteller Heinrich Brennwald in seiner „Schweizer Chronik“. Sie datiert aus dem 16. Jahr­hundert, kurz vor Beginn der Reformation.

Die meisten Nacherzählungen schmücken die Legende mit Zitaten aus dem Alten und Neuen Testament stark aus. Ebenso bildet sich immer stärker eine ausführliche Schilderung der Geografie heraus – des Pilgerweges, den das Paar vor seinem Marty­rium zurückgelegt hat. Demzufolge sollen sich Felix und Regula im Gebiet von Glarus, des Kastells Turicum (heute Kastell Zürich) und bis zum Abfluss des Zürichsees in die Limmat auf Wanderschaft (oder Flucht?) begeben haben.

Stadtpatrone Zürichs

Felix und Regula wurden zu den Stadtpatronen Zürichs. Ihre Abbilder zierten vor al­lem Stadt- und Klostersiegel (u.a. des berühmten Fraumünsters von Zürich), Münzen und Altäre in Zürich. Einem üblichen Typus enthaupteter Märtyrer folgt dabei häufig die Darstellung, bei der die Figuren ihre Köpfe in Händen tra­gen. Um diese Köpfe entbrannte spä­ter ein heftiger Reliquienstreit zwi­schen dem Großmünster Zürich – dieses steht über den Gräber der beiden Heiligen – und der Pfarrkirche Ander­matt.

Verbindung mit Schwarzenbach

Wie kommt es aber, dass die beiden hierzulande unbekannten Heiligen zu Patronen der Schwarzenbacher Pfar­rei bestimmt wurden?

Das hat möglicherweise mit dem ho­hen Alter von Ort und Pfarrei zu tun. Schwarzenbach wurde bereits im Jahr 815 in einer Urkunde der St. Gallener Abtei erstmals urkundlich erwähnt, zusammen mit einem dort ansässigen „Priester Theodoldus“. Auch im Laufe der Jahrhunderte lassen sich immer wieder besondere wirtschaftliche und kirchenpolitische Beziehungen zwischen Schwarzenbach resp. Neuravensburg und St. Gallen auf dem Gebiet der heutigen Schweiz nachweisen. Diese frühe, enge Verflechtung könnte dazu geführt haben, dass schon recht früh Schweizer Heilige auch unserer Pfarrei vorstanden. Ähnlich liegt der Fall mit St. Gal­lus in Roggenzell.

Festtag der Hl. Felix und Regula ist der 11. September. Zwar kennt der römische Heiligenkalender nicht weniger als 19 Namenstage von Heiligen mit dem Namen Felix – aber nur diese eine Regula.